Wie kann ich die Bilanzen von Versicherungsgesellschaften richtig beurteilen?

In der Bilanz einer Versicherung zählen nicht die Prämieneinnahmen, sondern vor allem die Höhe der Kapitalanlagen, des Stocks in der Lebensversicherung oder der Alterungsrückstellungen in der Krankenversicherung. Und diese Größe entscheidet über die künftige Politik einer Versicherung oder gibt Hinweise auf die Solidität der Gesellschaft. Auf Anfrage müssen daher alle Versicherungen Geschäftsberichte an ihre Versicherten verschicken. Davor haben die Gesetzgeber erst einmal harte Arbeit gestellt: die Bilanzvorschriften. Deren Steigerung sind die Vorschriften für Bilanzen. Das Lesen einer Bilanz gilt als eine der schwierigsten Künste des Wirtschaftsjournalisten aber auch sie ist erlernbar. Man fängt mit der Bilanz an. Wenn man sich die Bilanz anschaut sieht man zwei große Seiten – die die gleiche Summe haben. Eine Bilanz ist immer ausgeglichen. Als Puffer muss notfalls der Verlust
Herhalten. Auf der linken Seite der Bilanz stehen die Aktiva also das Vermögen des Betriebes. Auf der rechten Seite finden sich die Passiva also das gesamte dem Betrieb zur Verfügung stehenden Kapital navh Angabe der Herkunft, auch Forderungen genannt- mit der für Industriebilanzen üblichen Betrachtung von
Anlage-Umlaufvermögen. Denn die Versicherer produzieren lediglich eine unsichtbare Ware, und dafür brauchen sie nicht viel: nur ein Büro und ein Bankkonto. Das Anlagevermögen, also Grundstücke, Gebäude oder sonstiges zum dauernden Gebrauch bestimmt das Vermögen wie Maschinen und Werkzeuge, fällt ebenso weg wie ein Umlaufvermögen, also die nicht zum dauerhaften Gebrauch bestimmten, sondern zur Weiterveräußerung oder finanzielle Abwicklung dienenden Güter.
Bei Versicherungen ist alles ganz anders: das Grundstückskonto sagt nichts darüber aus, wie weit die Objekte über den Deckungsstock gebunden sind, also den Lebensversicherern gehören. Die Büroeinrichtungen sind meist abgeschrieben, tauchen also nicht auf. Das Beteiligungskonto, das noch am meisten Anlagecharakter hat, schlägt fast immer nur mit Anschaffungswerten zu Buche, die längst passee sind. Die Besonderheit einer Versicherungsbilanz ist, dass der größte Teil des Kapitals durch Beiträge der Versicherten aufgebraucht wird und zur Erfüllung der Verbindlichkeiten aus den Versicherungsverträgen zur Verfügung stehen muss.
Daher ist der größte Teilbetrag auf der Basisseite die versicherungstechnische Rückstellung. Sie stammen aus den Beiträgen der Versicherten, sind also Fremdkapital. Das Eigenkapital der Versicherungen umfasst dagegen ein Grundkapital, gesetzliche Rücklagen, freie Rücklagen, Gewinnvortrag und Rückstellungen für Versorgungsverpflichtungen (Pensionskasse für die Angestellten). Im Grunde kann man Außenstände aus der Versicherungsbilanz nur als Passiva ablesen. Auf der Aktivseite braucht das Unternehmen nur zu enthüllen, was es will. Eine gründliche Analyse kann lediglich der Vergleich mehrerer Unternehmensjahre unter Vergleich mit der Branche bringen. Einige bessere Richtgröße für die Aktiva sind die in der Gewinn-Verlust-Rechnung ausgewiesenen Vermögenserträge. Sie erlauben durch Umrechnung ein Rückschluss auf die ihnen zu Grunde liegenden Quellenwert. Kursgewinne, realisierte und vor allem buchmäßige – sind zuvor allerdings auszuschließen.










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