Die Versicherungswirtschaft: Hintergründe und Fakten

Der Versicherungsgedanke ist geprägt von individueller Sicherheit durch die Gemeinschaft. So weit die Theorie vom Grundgedanken ihres Geschäfts. So könnten sich die Versicherungsunternehmen also mit einem Heiligenschein umgeben – und tun dies auch immer wieder, wenn der Versicherungsvertreter voll in die Tasten des GefühlsKlavier greift. In der Tat: ohne Versicherung würde unser Wirtschaftssystem weit weniger gut funktionieren. Bestimmte Risiken sind für einzelne einfach nicht mehr zu kalkulieren. Ohne Versicherung wäre die kommerzielle Raumfahrt ebenso unmöglich wie die Ölförderung. Versicherungen nützen auch dem Verbraucher: wer zum Beispiel einen großen Kredit zum Kauf eines Hauses aufnimmt, bietet seiner Bank als zusätzliche Sicherheit eine Lebensversicherung an. Der Kredit wird für die Bank eine Sicherheit und die kann damit kann die niedrigere Zinsen anbieten. Auch die eigenen finanziellen Existenz kann der Verbraucher gegen die elementaren Risiken des Lebens versichern, zum Beispiel durch eine Haftpflichtversicherung ohne oder eine Berufsunfähigkeitsversicherungen. Die Idee der Versicherung ist also äußerst edel: Versicherungen schützen gegen die nachteiligen Folgen bestimmter Ereignisse. Sie schützen nicht nur den Versicherten selbst, sondern oft auch Dritte. Wer eine Haftpflichtversicherung abschließt, schützt zwar zunächst sich selbst vor der Zahlung von Schäden, aber er sicher damit zugleich dem Geschädigten einen finanziellen Ausgleich. Wer eine Risiko – Lebensversicherungen sechsstelliger Höhe abschließt, tut dies nicht um seinen Sarg zu vergolden, sondern er sorgt für die Hinterbliebenen. Dies ist der ethische Wert der Versicherung. Versicherungen produzieren Sicherheit, sagt ein Werbeslogan zurecht. Gleichzeitig entlasten die Versicherer den Sozialstaat, der sonst für so viele Schäden aufkommen müsste. Doch die Versicherungsidee ist zum Geschäft geworden. Das sollte nicht bedauert werden, denn selbst Hilfseinrichtungen können sicher nicht das gleiche Leistungsangebot bieten wie professionell geführte Unternehmen. Außerdem wäre eine Selbsthilfeeinrichtung, die die heute notwendige Größe einer Versicherung erreichen würde, keine Selbsthilfeeinrichtung mehr. Das zeigt am besten das Beispiel der großen Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit, die aus der genossenschaftlichen Idee stammen. Das ärgerliche – um ein mildes Wort zu gebrauchen – im heutigen Versicherungssystemen ist jedoch, dass die Versicherungen immer mehr überflüssige, falsche und zu teure Versicherungen ersonnen haben und anbieten – und das trotz einer ständigen Beaufsichtigung durch die Behörden zumindest bis Mitte 1994. Die Begriffe Risiko und Gefahr klingen dramatisch. Dennoch ist die Versicherungsbranche sehr wahrscheinlich die konservativ und vorsichtigste Branche der Republik. Ihr Geschäfts beruht auf dem Risiko, definiert als Möglichkeit des Eintritts von schädigenden Ereignissen. Gegen den Eintritt des Schadens kann niemand hundertprozentig geschützt werden, wohl aber gegen dessen wirtschaftliche Folgen. Versicherer sind keine Draufgänger sind, sondern im Grunde ihres Herzens nüchterner Mathematiker. Versicherungen leben vom Zufall. Doch haben die Versicherer vier Methoden an der Hand, den Zufall kalkulierbar zu machen: das Gesetz der großen Zahl. Hierbei handelt es sich um das Kalkulationsprinzip auch der kleinsten Versicherung. Das Gesetz der großen Zahl besagt, dass sie der relativen Häufigkeit zufälliger Ereignisse umso weniger voneinander abweichen, je größer die Zahl der Objekte oder Person ist, bei denen dieser Ereignisse eingetreten können. Entsprechend gilt für die Versicherungen: je größer die Zahl der Versicherten ist, desto stabiler ist die Schadensquote. Zwar kann niemand wissen, wer einen Autounfall erleidet, doch die Gesamtzahl aller Unfälle ist berechenbar und bleibt auch über die Jahre hinweg in Relation zur Zahl der versicherten Fahrzeuge recht konstant. Aufgrund dieser Zahl unterdurchschnittlichen Schadenshöhe kann der Beitrag berechnet werden. Ferner gruppieren Versicherungen Menschen zu gleichen Risikogruppen. Wenn sich viele Menschen in einer so genannte Versichertengemeinschaft oder Gefahrengemeinschaft zusammenschließen, ergibt sich ein Risikoausgleich. Die Gemeinschaft ist jedoch menschlich: die Mitglieder kennen sich untereinander nicht, jedes Mitglied suchte einen individuellen und egoistischen Ziele materieller Art verwirklichen. Gemeinschaft ist also ein ein rein technischer Begriff. Die Versicherer bemühen sich um so genannte gute Risiken, damit sie zumindest kurzfristig besonders erfolgreich sein können. Das bekannteste Beispiel dazu ist die Gesundheitsprüfung in der Lebensgefahr der Krankenversicherung. Außerdem müssen bestimmte Berufsgruppen in einigen Versicherungen Zuschläge zahlen, andere bekommen dagegen Rabatte. Mit steigender Zahl der Verträge aber wird sich in Versicherung wieder den Durchschnitt annähern. Eine vorsichtige Zahlungspolitik der Versicherungen betrifft vor allem die Höhe der Versicherungssummen.










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